Trainingstheorie

Übertraining

Ursachen, Symptome und Behandlung

Unter Übertraining versteht man das Nachlassen der Leistungsfähigkeit trotz eines regelmäßig ausgeführten Trainings. Hauptursache ist eine überdurchschnittlich hohe Belastung (Umfang oder Intensität) oder zu kurz gestaltete Regenerationsphasen.

Jedoch kann das Übertrainingssyndrom auch bei psychischer Belastung auftreten, ohne dass die Trainingsintensität oder die Regenerationszeiten verändert wurden. Darüber hinaus sind auch ernährungsbedingte Ursachen zu nennen, die zu den selben Symptomen führen können.

Die typischen Symptome des Übertrainings sind neben dem Nachlassen der sportartspezifischen Leistungsfähigkeit eine innere Unruhe mit Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten, sowie Appettitlosigkeit und Stimmungsschwankungen bis hin zur Depression.

Eine Beeinträchtigung des koordinativen Systems führt im Rahmen des Übertrainings zu einer erhöhten Verletzungsgefahr.

Durch Schwächung des Immunsystems kommt es im Rahmen des Übertrainings zu einer erhöhten Infektionsgefahr durch Viren und Bakterien. Besonders scheinen häufige Belastungsintensitäten über der anaeroben Schwelle einen negativen Einfluss zu haben (Gabriel, 1995).

Auf pathophysiologischer Ebene handelt es sich vermutlich um eine Erschöpfung des sympathischen Nervensystems (Lehmann, 1992) mit abfallender Noradrenalinausschüttung. Der daraus folgende erhöhte Vagotonus dient wahrscheinlich dem Schutz des Gesamtorganismus vor weiterer Belastung. In Folge dessen kommt es zu einer niedrigeren HF unter Belastung. (Neumann, Pfützner, Berbalk, 2007). Dieses Zeichen ist bei der Interpretation des FQs zu berücksichtigen, der trotz erhöhtem Anstrengungsempfinden eine Leistungssteigerung vortäuscht. Sinnvoll ist es daher immer mehrere Parameter für die Leistungseinschätzung heranzuziehen (Own Index, Ruhe HF, etc). Typisch ist auch ein verminderter Testosteron/Cortisolquotient ,(Adlercreutz, 1986) durch abfallenden Testosteron- und steigenden Cortisolspiegel in der Phase des Übertrainings.

Beide Veränderungen würden aber nur einen Teil der Übertrainingssymptome erklären, weshalb man davon ausgeht, dass zentrale Regulationsmechanismen eine entscheidende Rolle bei dem Übertrainingssyndrom ausmachen. Von besonderem Interesse ist das Serotonin, für welches es offensichtlich einen Optimale Wert gibt, der bei chronischer Erniedrigung durch Übertrainig die oben genannten Symptome hervorrufen könnte (Hollmann und Hettinger, 2000).

Die Behandlung besteht im wesentlichen aus einer Trainingspause oder Trainingsreduktion, welches im Normalfall zu einer baldigen Besserung der Symptome führt. Diese Therapieempfehlung stösst jedoch leider nicht nur im Spitzensport auf mangelnde Einsicht der Athleten, wodurch bei Nichteinhalten der Genesungsvorgang nur unnötig verzögert wird. Abgesehen von der Belastungsminderung sind natürlich auch die anderen Auslösefaktoren wie Streß, falsche Ernährung, Schlafmangel oder latente Infektionen zu berücksichtigen und ggf. zu behandeln.

Tags: Erholungsherzfrequenz Fitnessquotient Muskulatur Psyche

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