Trainingstheorie

Rauchen und Sport

Einfluß von Tabakkonsum auf die körperliche Leistungsfähigkeit im Sport

Obwohl es weltweit keinen anderen Giftstoff gibt der mehr Todesfälle verursacht als Nikotin, werden weiterhin jedes Jahr in Deutschland ca. 305 Millionen Zigaretten pro Tag geraucht (Bundesamt für Statistik, 2005). Besonders erschreckend ist, dass Deutschland in der Rangliste jugendlicher Raucher führend ist. 27,2% der 15jährigen rauchen und selbst bei den 13jährigen sind es schon 13% (Farke, 2005).

Der Einfluß von Zigaretten auf den Körper lässt sich in Sofortreaktionen und Langzeitschäden einteilen.

Sofortreaktionen:
Nach dem Konsum einer Zigarette zeigt der Körper bereits Reaktionen, die für die körperliche Leistungsfähigkeit von Interesse sind.
  • Durch Inhalation gelangt das Nikotin in die Blutbahn, wo es durch Freisetztung von Noradrenalin den Körper in eine Art Alarmbereitschaft versetzt - "stiller Streß" für den Körper. Sowohl der Impulsgeber für die HF (Sinusknoten), als auch der Meßfühler für den Blutdruck am Hals (Carotissinus) und der Gefäßtonus (Vasokonstriktion) werden durch das Nikotin beeinflusst. Dadurch steigt die HF für bis zu 45min um ca. 10 Schläge, bei gleichzeitiger Blutdruckerhöhung. Beides zusammen lässt den Sauerstoffbedarf der Herzmuskulatur ansteigen.
  • Nikotin führt darüber hinaus zu einer früher einsetzenden Leistungsminderung. Das liegt zum einen an einer erhöhten Stoffwechsellage, wodurch die Glycogenspeicher vorzeitiger erschöpft sind und zum anderen an einer "Downregulation" der Beta-Rezeptoren am Herzen durch die chronish erhöhten Noradrenalinwerte (Huie, 1996).
  • In Ruhe kommt es bei der besagten Stoffwechselsteigerung zu einer Erhöhung der Glucose und freien Fettsäuren im Blut ohne, dass diese Stoffe benötigt werden (Erhöhung des Arterioskleroserisikos).
  • Das Hungergefühl wird gedrosselt. (Mit Entwöhnung nehmen Exraucher im Schnitt 2-2,3kg zu)
  • Durch die Bindund des entstehenden Kohlenstoffmonoxids (CO) an Hämoglobin reduziert sich die Sauerstofftransportkapazität des Blutes. Um nun die selbe Menge an Sauerstoff zu transportieren ist das Herz gezwungen bei gleicher Belastung das HZV (Herzzeitvolumen) zu erhöhen, wodurch der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels weiter ansteigt. Ein Raucher mutet seinem Körper mit einer Zigarette eine Verminderung der Sauerstoffangebotes zu, die einem plötzlichen Aufstieg von Meereshöhe auf 1300m gleichkommt (Riede, Schäfer; 2001)
  • Durch eine Teildepolarisierung der Chemorezeptoren im Bereiche des Glomus Caroticum wird das Ansprechverhalten auf erhöhte CO2 Werte verändert, so dass es zu einer Atemfrequenzsteigerung kommt.



  • Langzeitschäden
    Von den 4000 in einer Zigarette enthaltenen chemischen Stoffen sind ca. 40-60 krebserregend. Häufig wird primär nur der Lungenkrebs mit dem Zigarettenkonsum assoziiert. Es sind jedoch weit mehr Erkrankungen die nachweislich durch die Inhalation von Tabakrauch verursacht werden.
  • Arteriosklerose: Der erhöhte Kohlenstoffmonoxidgehalt verursacht eine Minderversorgung der Gefäßwände mit Sauerstoff. Hinzu kommen ein erhöhter Cholesterinspiegel und mutagene Stoffe, die zur Proliferation der Gefäßwandzellen führen (Riede, Schäfer; 2001). Daraus resultiert ein vermindertes Gefäßlumen mit potentieller Minderversorgung von Organen (Angina pectoris, Herzinfarkt, Schlaganfall, Plazentainfarkt etc.). Je nach Ausprägung der Arteriosklerose kommt zu einer allgemeinen Leistungsminderung.
  • Verstärkte Infektneigung der oberen Lufwege durch Störung des Flimmerepithels, sind besonders im Sport durch die entstehenden Trainingspausen problematisch.
  • Geringerer Muskelaufbau und beschleunigter Muskelabbau: Rauchen erhöht die Aktivität des Myostatins, welches zu einer Hemmung des Muskelaufbaus führt und des MAFbxMuscle Atrophy F-box, wodurch es zu einem gesteigerten Muskelabbau kommt (Petersen et al., 2007).
  • Magengeschwüre
  • erhöhtes Risiko für Osteoporose und Bandscheibendegeneration
  • Nierenkarzinom (Rauchen verdoppelt das Erkrankungsrisiko)
  • Speiseröhrenkrebs (Oesophaguskarzinom)
  • Morbus Chron
  • Kehlkopfentzündungen (Laryngitis) und Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom)
  • Gebährmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)


  • Im Durchschnitt liegt die Lebenserwartung für Raucher um 7,5 Jahre niedriger als für Nichtraucher!


    Training hilft gegen Entzugserscheinungen
    Training kann laut Taylor et al. das Verlangen nach Nikotin senken. Dies zeigte die Auswertung von Studien zwischen 1983-2006. Dabei kommt es nicht auf die Intensität des Trainings an. Die Bewegung an sich scheint (bis fast eine Stunde nach dem Training) ähnliche Gehirnregionen anzusprechen wie das Rauchen selbst und vermag dadurch die Entzugssymptome zu minimieren.

    Tags: Gesundheit

    Weiterführende Themen

    Impotenz durch Radsport
    Kann der richtige Fahrradsattel den hohen Druck sowie die Mikroverletzungen im Dammbereich verhindern?
    Muskelkrampf
    Wadenkrämpfe und andere Muskelkrämpfe sind schmerzhafte Spontankontraktion eines Muskels
    Muskelverletzungen
    Muskelzerrung, Muskelfaserriss, Muskelabriss
    Rückenschmerzen und Sport
    Bandscheibenbedingte Erkrankungen wie der Bandscheibenvorfall sowie andere Rückenbeschwerden und das rückengerechte Training.
    Schulterschmerzen
    häufige Ursache ist die chronische Überlastung im Sport
    Training im Alter
    Besonderheiten der Anpassungsvorgänge und Trainingsgestaltung im Alter